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Der Autor als Marke

»Sie müssen sich selbst zur Marke machen, Herr Bellem!«
Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört. Oder in ähnlicher Form. Jeder Lektor hat mir dazu geraten, meinen Namen zur Marke aufzubauen.

Eigentlich wollte ich in diesem zweiten Blogeintrag über meine Beweggründe zum Selfpublishing für den nächsten Roman schreiben. Das hole ich dann 2018 nach, versprochen. Aber zum Jahresende wird man ja immer mal gerne melancholisch, darum dachte ich mir, Zeit ein wenig nachdenklich zu sein.
Der Autor ist eine Marke.
Ein wichtiger und – leider – richtiger Satz.
Aber was steckt dahinter?
Als man mir damals sagte, ich solle meinen Namen als Marke etablieren, da sprach man davon, dass ich unter dem Autorennamen »Stephan R. Bellem« (was zufällig auch mein richtiger Name ist *g*) nur eine Literatursparte bedienen.
»Die Leser wollen nach einem Bellem im Regal greifen und wissen, was sich zwischen den Buchdeckeln verbirgt.«
Hmmm. Damals hatte ich schon erstes Bauchgrimmen.

Warum ist das so?
Warum sprach man dem Leser die Fähigkeit ab, sich einen Klappentext durchzulesen, eine Genrebezeichnung, und dann zu entscheiden, ob er das Buch lesen möchte oder nicht?
Lag dahinter nicht auch ein wenig der Wunsch des Buchhandels, einen Autorennamen schön sauber in ein Genre – sprich, in ein Regal verfrachten zu können?
Wäre es nicht toll, wenn ein Leser, der bisher eher Fantasy gelesen hat, einmal zu SciFi greift, weil er mich und meine Schreibe kennt und sich deshalb für das Buch interessiert?
Aber mir wurden immer viele Gegenargumente präsentiert. Man würde die Leser verschrecken. Sie würden die Identität des Autors nicht mehr wiedererkennen.
Ist das wirklich so?
Aber noch ein anderer Effekt verbirgt sich dahinter. Verkaufen sich die Bücher einer »Marke« nicht gut genug, dann schafft das Pseudonym Abhilfe. »Der Name XYZ ist verbrannt«, hört man dann oft.

Zurück in die Zukunft von 2017. Heute sind Autoren auch Marken. Aber für mich fühlt es sich weniger so an, als würde der reine Name noch die Marke bestimmen, sondern eher so, dass der Social Media Auftritt die Marke definiert. Heute höre und lese ich überall, dass man als Autor in den Sozialen Netzwerken präsent sein muss. Ohne Facebook-Seite, Twitter und auf jeden Fall Instagram geht gar nichts mehr.
Und dann aber bitte auch jeden Tag einen Post, ein paar Tweets und wenigstens zwei Bilder. Am besten auch noch eine Story. Der Leser soll möglichst nah am Autor sein, im Idealfall das Gefühl haben, direkt neben ihm zu sitzen.
Da wird dann nach einem Kinobesuch auch direkt das Handy rausgeholt und eine Story mit einer undefinierbaren Instagram-Masse geteilt, anstelle dass man sich mit den Freunden unterhält, die gerade mit einem im Kino waren.
Und ich frage mich natürlich für mich selbst: Muss ich das tun? Muss ich zur »Sozialen Maschine« werden, um eine Chance im Buchmarkt zu haben?
Eigentlich sollte doch das Buch für sich sprechen, nicht wahr? Mein Text, meine Figuren, nicht mein Essen in der Mittagspause.
Man begibt sich in eine Art Hamsterrad der Selbstvermarktung, denn die Reichweite in den Netzen ist die halbe Miete. Ist ja auch logisch. Wer dich nicht sieht oder kennt, der greift auch nicht zu deinem Buch. Vor allem nicht in Zeiten, in denen Werbebudgets kleiner und deutlich konzentrierter sind.
Ich glaube, dass wir im Vergleich zu vor dreißig Jahren ein paar Dinge gewonnen und verloren haben. Ich glaube, dass man dank der Sozialen Netzwerke heute nicht mehr krampfhaft pro Genre ein neues Pseudonym bemühen muss.
Im Gegenteil. Ich denke, dass man auch weiterhin eine Marke ist, aber ich habe das Gefühl, dass in vielen Bereichen der Inhalt ein wenig in den Hintergrund rückt. Ich glaube, dass man heute Leser viel stärker über die eigene Persönlichkeit an sich binden kann. Aber ich bin auch überzeugt davon, dass diese Bindung mit einem »Preis« ausgezeichnet ist. Instagram, Twitter, Facebook – alles zerrt an unserer Zeit, alles zerrt ein wenig mehr von unserem Privatleben in die Öffentlichkeit.

Man wird sich zwangsläufig fragen müssen, wie viel Öffentlichkeit man zulassen möchte, auch wenn das dann vielleicht bedeutet, in letzter Konsequenz weniger (potenzielle) Leser zu erreichen. Bilder meiner Veranda im Winter? Okay. Mein Mittagessen? Klaro. Meine Frisur frisch nach dem Aufstehen? Schon kritischer. Meine Wohnung? Eher nicht.
Ich stecke gerade in dem Prozess, dass ich all diese Dinge für mich festlege, da ich als Selfpublisher natürlich auch mein eigenes Marketing – also meine Selbstvermarktung – planen muss. Ein Patentrezept habe ich noch nicht gefunden. Dieser Blog ist für mich aber ein guter Anfang. Ich merke, dass ich große Schwierigkeiten damit habe, regelmäßig in den Sozialen Netzwerken präsent zu sein – weil ich es schlichtweg nicht will.
Emails mag ich sehr, weil sie mir die Möglichkeit geben, in meinem eigenen Tempo zu reagieren.
In der heutigen Zeit, in der wir alle immer und überall verfügbar gehalten werden, ist das der pure Luxus.
Und es ist ein Luxus, den ich mir gerne bewahren möchte.

In diesem Sinne: Schöne Feiertage. Happy

Grüße
Stephan

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