Stephan R. Bellem

Wer Geld verdienen möchte, sollte nicht Autor werden

Wie oft habe ich diesen Satz schon gelesen? Fünfmal? Zehnmal? Hundertmal? Möglich.
Und jedes Mal denke ich: Nicht schon wieder!
Ich habe den Satz von Außenstehenden gehört, die ja »Ahnung von solchen Sachen« hatten.
Aber ich habe den Satz auch von Autoren und sogar Verlagslektoren gehört.
Und jedes Mal ärgert er mich aufs Neue.
Versteht mich nicht falsch, ich
weiß, dass es im kreativen Bereich sehr schwierig ist, ein dem Zeitaufwand vergleichbares und geregelten Anstellung gleichwertiges Einkommen zu erzielen. Und ich denke, das gehört auch ein wenig zum Reiz der Kreativbranche dazu.
Das ist nichts für Weicheier. ;)
Das ist was für Abenteurer, Träumer und Idealisten. Freigeister und die, die es werden wollen. Also alles in Ordnung? Dann passt es doch. Autoren arbeiten aus rein altruistischen Motiven heraus.
Können wir damit bitte aufhören?

Halten wir doch einfach einmal die Fakten fest.
Da gibt es Menschen, die sich einen Beruf aussuchen: Autor. Das ist im ersten Moment einmal völlig unspektakulär. Klar, ca. 70% von uns entdecken den Wunsch während einer von vielen ganz schrecklichen Pubertätsepisoden, nach dem fünften Liebesgedicht, das den ganzen Weltschmerz einfängt oder so. Ich hab auch welche davon in einem gesicherten Ordner, ganz hinten in einer dunklen Ecke. Und neben dem Ordner liegt schon mein Geständnis, für den Fall, dass jemand versucht, diese Gedichte ans Licht der Welt zu zerren.
Also, das Geständnis ist für die dann folgende tödliche Auseinandersetzung gedacht.
Aber zurück zur Berufswahl.
Da in Deutschland Berufsfreiheit herrscht, kann ich versuchen, jeden Beruf zu ergreifen, den ich ausüben möchte und/oder mir zutraue. Ich kann das natürlich völlig aus Spaß an der Freude tun, aber da wir noch kein bedingungsloses Grundeinkommen haben, denke ich doch
immer auch darüber nach, ob ich damit Geld verdienen kann. Es wird doch auch keiner Installateur, weil er gerne Kloschüsseln anfasst. Der sieht da für sich eine Karrierechance, hat (hoffentlich) Spaß an Badezimmerplanung usw.
Klar, es gibt die, die neben ihrem Beruf ein Buch schreiben, das veröffentlichen und damit glücklich sind.
Aber – bitte, bitte fühlt euch nicht angegriffen – da kann man noch nicht von einem Beruf sprechen. Ich habe für meinen nächsten Roman eine Landkarte gezeichnet, nenne mich jetzt aber nicht Illustrator.
Ich spreche hier von Menschen, die einen professionellen Anspruch ans Schreiben stellen.
Ihr merkt, dass der Beruf mit jeder Zeile schwerer zu erfassen ist, richtig? Genau hierin liegt auch ein großer Teil des Problems, aber dazu später mehr.
Es gibt also Menschen, die wollen ganz gezielt und exklusiv AutorIn sein. Was ist daran verwerflich? Nichts. Wollen diese Menschen für ihre Arbeit bezahlt werden? Selbstverständlich. Gelingt das? Nicht immer bis selten, das ist leider die Realität.
Okay, aber diese Realität bedeutet doch nicht, dass man immer und überall dieses Mantra vorbeten muss, dass Autoren nicht des Geldes wegen schreiben.

Liebe Kollegen: Es ist absolut
nichts verwerflich daran, wenn ihr euch hinstellt und sagt: »Ich will gerne schreiben, der Beruf macht mir Spaß und ich glaube, ich habe Talent, und ich will Geld damit verdienen. Im Idealfall ganze Berge davon!
Schreiben ist ein toller Beruf, es ist ein fordernder Beruf, es ist ein einsamer Beruf – es ist eine Tätigkeit, die einen oft auf sich selbst reduziert. Und ja, oft hält einem die Arbeit einen Spiegel vor. Und natürlich liegen uns ALLE unsere Geschichten am Herzen. Wäre mir die Geschichte egal, würde ich sie nicht schreiben.
Anstelle die Realität immer zu rechtfertigen, sollten wir anfangen, sie zu ändern!

Es verfälscht nicht »die Kunst«, wenn wir uns als Autoren hinstellen und sagen, dass wir mit unserer Arbeit ordentliches Geld verdienen möchten.
Und jajaja, im kreativen Segment entscheidet der Käufer viel stärker über Wohl und Wehe. Das macht es auch schwieriger, in der Branche Fuß zu fassen. Aber nicht unmöglich.
Jetzt wieder zu dem vorhin erwähnten Problem: Autoren sind im Kern Einzelkämpfer. Und dieser Umstand wird uns als Masse auch gerne zum Verhängnis. Denn für jeden, der aufmuckt, stehen schon zwanzig mit scharrenden Hufen bereit, um ihr Herzblutprojekt vorzustellen.
Dazu kommt, dass man in Deutschland das Schreiben nur sehr schwer lernen kann. Also nicht die Rechtschreibung, sondern solche Sachen wie Struktur, Charakterentwicklung, Spannungsbogen und und und.
Denn, ob man es glaubt oder nicht, man
kann den Beruf des Schriftstellers zu einem guten Stück weit tatsächlich lernen. Es gibt jede Menge Regeln, mit deren Einhaltung man eine handwerklich solide Geschichte abliefern kann. »Regeln, igitt. Ich mache, was ich will!«
Kann man auch, aber wer die Regeln brechen will, sollte sie kennen. Vertraut mir da einfach mal. ;)

Sofern ihr noch bis hierher gelesen habt: Seid nicht so kleinlaut. Sucht euch Gleichgesinnte. Autorennetzwerke und -Verbände sind da eine gute Anlaufstelle.
Seid mutig! Sowohl mit euren Romanen als auch mit euch selbst. Nutzt eure Herzen, um tolle Geschichten zu schreiben, nutzt eure Stimme, um euch Gehör zu verschaffen, und nutzt euer Hirn, um erfolgreich zu werden.

Grüße
Stephan

P.S.: Wenn das nicht hilft, dann hab ich noch zwei tiefsinnige Kaffeetassensprüche. ;)

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