Keine Spielräume im BGH-Urteil … bis wann?

Der böse, böse BGH. Hat er doch tatsächlich das Urteil gefällt, dass die Verlegerbeteiligung an den Ausschüttungen der VG-Wort nicht zulässig ist, da diese Ausschüttung lediglich für Urheber gedacht ist.
Und Verlage sind keine Urheber, sie sind Veredler, Zwischenhändler, Risikoträger, aber eben keine Urheber. Und genau das wollen sie jetzt schnell ändern, denn Geld verlieren ist immer doof, nicht wahr?
Und Heiko Maas, der ja schon das Urheberrecht verwässert hat, will natürlich auch hier glänzen.
Aber warum ärgert mich das so sehr? Warum interessiert es mich überhaupt? Schließlich bin ich gar kein »richtiger« Autor mehr, oder? Ich habe einen 40-Stunden Job, festes Einkommen, veröffentliche nur noch wenig.
Also, warum kümmert es mich?
Schreiben wird immer meine Passion sein, Autor in Vollzeit immer das Ziel, das ich irgendwann wieder erreichen möchte. Darum.

Mich kotzt dieser widerliche Lobbyismus einfach an. Ja, klar, die Autoren haben sich über die Initiative Urheberrecht einmal kurz geäußert, der Sturm im Wasserglas – und seitdem jammert wieder jeder für sich.
Der BGH sagt in seinem Urteil ganz klar, wer die Urheber sind, doch es gibt keinen Jubel. Im Gegenteil, die Verlage hatten vorher ja schon angekündigt, was den Autoren droht, wenn das Urteil bestehen bleibt. Dann müsse man die ganzen Verträge neu verhandeln, bzw. zukünftig anders gestalten.
Sprich: Wir haben euch vorher wenig bezahlt, jetzt bezahlen wir euch noch weniger, denn ihr bekommt ja Geld von der VG-Wort.
Und die Autoren? Die sehen diese Drohung und springen sofort wieder den Verlagen bei, dass die Politik doch bitte klare Verhältnisse schaffen müsse, damit die Tradition der Verlagsbeteiligung fortgeführt werden könne.
Es ist ein Trauerspiel.
Und es zeigt aber leider auch ganz deutlich: Autoren sind das schwächste Glied der kulturschaffenden Wertschöpfungskette. Und alle wissen das.
Du willst zu diesen Konditionen nicht veröffentlichen? Fein, wo ist nochmal das Manuskript von dem anderen Typen, das uns etwas weniger gut gefallen hat? Klasse, dann wird eben das die »nächste starke Stimme des Grenres«.
Es gibt einfach zu viele Autoren. Und nochmal mehr, die es werden wollen.
Als Verleger trage ich das Risiko, dass meine Investition in das Buch keinen Profit abwirft, schon klar, das verstehe ich.
Aber als Verleger trage ich überhaupt kein Risiko, überhaupt erst eine Investitionsmöglichkeit zu finden!
Und wie oft hört man, dass Bücher, von denen die Verlage dachten, dass sie super laufen würden, floppten und andersrum. Und diese Sätze höre ich jedes Jahr häufiger auf den Buchmessen. Darum ist es für Autoren auch eine wirklich prekäre Lage: Als Autor ist man darauf angewiesen, dass ein Verleger dich ins Bestseller-Bingo wirft und der Kunde deine Nummer zieht. Passiert das nicht, tja, dann ist dein Name vielleicht »verbrannt«, findet dein Lektor dich toll, kannst du noch unter Pseudonym einen nächsten Versuch starten. Und wenn nicht?
Dann stehen da schon die unverlangt eingesendeten Manuskripte 2-2.000. »Der Nächste, bitte!«

Ein paar Sätze zum Risiko: Nicht nur Verlage tragen ein Risiko. Jeder Autor trägt das Risiko der eigenen Existenz. Aber aus den Verlagen hört man nur (und das kann ich leider aus eigener Erfahrung berichten) »vom Schreiben kann man ohnehin nicht leben, suchen Sie sich lieber noch einen Job«. Und genau das tun auch die meisten Kollegen. Sobald man aber regelmäßig schreibt, 1-2 Veröffentlichungen pro Jahr vorweisen kann, kippt dieses System. Die Midlist sollte von ihrer Arbeit auch leben können und nicht zwingend auf einen Zweitjob angewiesen sein.

Und diese Angst – nein, das Wissen – um die eigene Austauschbarkeit wird leider immer dafür sorgen, dass Autoren nicht ihren Mund aufmachen. Dass sie jede Kröte schlucken, in der Hoffnung, dass sie doch einmal nach Schokolade schmeckt.
Denn natürlich könnten sich die Autoren gesammelt gegen Verlage und Buchhandel stellen, darauf pochen, dass Buchhandelsrabatte nicht untergraben werden, Autoren besser für ihre Arbeit bezahlt werden undundund. Und dann? Dann käme als nächstes der Streik.
Aber was würde passieren? Die Verlage würden einfach die Streikbrecher einkaufen. Autoren, die es bisher nicht ins Programm geschafft haben. Und wer weiß, vielleicht ist darunter sogar ein Bestseller? Und dann ist der sechzehnte Programmplatz vielleicht gar nicht mehr für Lieschen Müller frei, die so tapfer für ein faires Urheberrecht und Beteiligungen gekämpft hat.
Tja, Pech gehabt. Viel Spaß auf dem Arbeitsmarkt, Lieschen.

Ja, es ärgert mich. Die Politik ist gefragt, aber sie rennt den Lobbyisten hinterher. Und ja, es ärgert mich, die Autoren als Ganzes sind einfach viel zu leise, denn sie haben Angst vor den Konsequenzen.
Aber ich verstehe es. Wer will schon Lieschen Müller sein? (alle echten Lieschen Müllers einmal ausgeschlossen, das hier soll keine Beleidigung sein).
Wisst ihr was? Wir sind es schon.
Wir waren es immer.

Schreibprogramm – Ja oder Nein?

Im Forum der Autorenwelt wird gerade die Diskussion um Papyrus Autor geführt. Sinnvoll oder nicht? Lohnt sich die Investition?

Ich habe das Programm selbst viele Jahre benutzt, benutze es aber schon viele Jahre nicht mehr. Aus mehreren Gründen, die ich jetzt nicht aufzählen will. Es gibt allerdings einen Grund, aus dem ich auch keine andere »Schreibsoftware« nutze.
Ich habe Scrivener, OneNote, NoteBook usw. alle auf dem Rechner, finde sie immer alle ganz wundervoll, aber irgendwie … es will einfach nicht flutschen.

Woran liegt das? Sicher nicht an mangelndem Willen. Im Gegenteil! Ich WILL so gerne zu den Autoren gehören, die ihr ganzes Projekt minutiös am PC planen, die per Scrivener zig Karteikarten anlegen und alles bis ins kleinste Detail nachhalten. Die immer ein Szenenexposé schreiben, die Recherchedatenbanken anlegen undundund.
Es klappt aber einfach nicht. Meine letzte Veröffentlichung liegt ja nun schon eine Weile zurück, was teilweise dem Brotjob und den vielen Lektoraten, teilweise der eigenen Angst vor dem Scheitern geschuldet ist, und zu einem großen Teil einfach dem Leben und einer echten Schreibblockade. Seit September letzten Jahres steht mein Leben irgendwie auf dem Prüfstand. Ich hinterfrage viel stärker meine eigenen Antriebe und Ziele. Egal, ich schweife ab.
Zurück zum Schreiben. Auch hier habe ich unheimlich viel Denkarbeit (*g*) geleistet, habe meine Arbeitsweise analysiert, meine »Beschleuniger« und »Bremser«. Was hilft mir, an einem Text zu arbeiten, eine Geschichte zu formen, Charaktere zu ergründen? Und was hemmt mich?

Und ich habe für mich festgestellt, dass die Technisierung des (Schreib)Handwerks mir den Antrieb raubt. Eine Figur in einer Datenbank zu beschrieben, Kriterien festzulegen, in Menüs die Augenfarbe zu bestimmen – das ist mir einfach alles zu kalt. Ich finde durch die Technik einfach keine Verbindung mehr zu meinem Text.
Die Lösung? Ein Notizbuch und ein Stift! Ich halte Ideen und Ideenfetzen jetzt wieder wie früher auf Papier fest. Das Moleskine ist zwar einem Midori gewichen, aber dieser Prozess – das Papier und ich – der funktioniert. Vielleicht auch, weil ich die ganze Ablenkung des Internets ausblende, die Möglichkeit, Dinge schnell zu googlen oder sonst wie nachzuschlagen.
Und was kommt nach dem Notizbuch? Dann könnte ich doch alles schön in Scrivener übertragen, nicht wahr?
Das klappt auch nicht. Wenn ich eine Idee über mehrere Notizzettel hinweg ausgearbeitet habe, sie immer »runder« geworden ist, dann will ich endlich schreiben, dann kribbeln meine Finger, bei dem Gedanken, sie auf die Tastatur zu legen, dann finde ich in meinen Tunnel und kann den Text wirklich genießen.

Denn das sollte man auch nicht vergessen: Bei allem »Ich will veröffentlicht werden« oder »Ich will Geld verdienen«, geht es vor allem um Spaß.
In der Regel verdient man als Autor doch eher überschaubare Summen. Und sollte man sich das antun UND dann noch keinen Spaß am Job haben? Ich denke, ihr kennt die Antwort. *g*

SRB